Liebe Gemeinde,
es gibt tausend Gründe, nicht dankbar zu sein. Mag sein, ich bin mit meinem Leben nicht glücklich. Mag sein, ich sage mir: Warum geht es den anderen besser? Und warum überhaupt Gott danken? Was ich habe, habe ich mir schließlich selbst erarbeitet. Und was ich esse, kommt vom Landwirt und doch nicht von Gott.
Aber gibt es auch Gründe, dankbar zu sein? Einen gewichtigen Grund gibt es in der Bibel zu lesen. In Psalm 92,2 stellt der Beter fest. „Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster …“ Das heißt doch: Danken ist etwas, was Leib und Seele gut tut. Warum? Wenn ich dankbar bin, nehme ich das Leben intensiver wahr. Denn es ist mir nicht mehr selbstverständlich. Ich kann staunen und mich freuen. Der Augenblick gewinnt Tiefe. Das Leben bekommt Sinn und Gewicht. Es ist, wie wenn sich eine Tür in eine andere Dimension auftut. In manchen Augenblicken erleben wir das ganz intensiv. Wenn uns zum Beispiel ein Kind geboren wird und wir es im Arm halten. Oder wenn wir im Urlaub etwas ganz Schönes erfahren. Wenn wir auf dem Gipfel eines Berges stehen. Oder den Sonnenuntergang am Meer erleben. Aber auch mitten im Alltag kann sich so etwas ereignen. Dann wird uns für einen Moment das Leben ganz groß und neu.
Schade eigentlich, dass solche Momente so selten sind. Was gäbe ich darum, wenn Dankbarkeit so etwas wie eine Lebenseinstellung werden könnte. Dankbarkeit als Lebensstil - das heißt doch, dass sie tiefer verankert ist und nicht nur dann und wann in Erscheinung tritt. Das heißt, dass sie in unserer Lebenshaltung zum Ausdruck kommt und sich durchzieht durch die Tage und Jahre unseres Lebens. So eine Art „Grundmelodie“ die immer - manchmal stärker, manchmal schwächer - zum Klingen kommt. Die uns aber immer begleitet.
Kann man Dankbarkeit lernen? Kann sie zum Lebensstil werden? Vielleicht ja. Ich denke, es käme darauf an, dass wir aufmerksamer leben und bewusster wahrnehmen würden, was uns tatsächlich geschenkt ist. Dass wir nicht immer nur registrieren würden, was uns scheinbar fehlt. Das Beten kann uns dabei helfen, Ein Gebet am Morgen mit dem Dank, dass man den Tag erleben darf. Oder vor dem Einschlafen noch einmal Revue passieren lassen, was man Gutes erlebt hat am Tag. Oder das Gebet am Tisch, das uns bewusst macht, wie gut es ist, genügend Nahrung zu haben. Oder das ganz kurze Stoßgebet mitten im Alltag. Ein ganz kurzes „Danke“. Oder der Gottesdienst am Sonntag, der uns herausnimmt aus dem Alltagstrott.
Vielleicht lernen wir so wieder neu, worauf es ankommt zu begreifen: Tag um Tag sind wir Beschenkte, Menschen, die aus der Güte Gottes leben. Wenn wir das erkennen, wird unser Leben weiter und offener. Vielleicht kann das Erntedankfest uns dazu ein Anstoß sein.
Ihre Gemeindereferentin Michaela Köller

















































































































